Pressemeldungen

„Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“

24.09.2020

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz zum Auftakt des Jubiläumsjahres in der kleinen Synagoge überreichte Dr. Franz Hofmann, Geschäftsführer der Thüringer Tourismus GmbH, symbolisch eine Miniaturausgabe des neuen, touristischen Autobahnschildes an Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.

„Für Thüringens Tourismuswerbung sind die Zeugnisse des jüdischen Lebens in Thüringen von großer Bedeutung“, erklärte Dr. Franz Hofmann. „Sie schärfen das Profil des Freistaats als Reiseland mit Kulturerbe auf Weltniveau und stehen für eine Willkommenskultur, von der sich auch Touristen angezogen fühlen sollen.“ Vier Tafeln mit der Aufschrift „Gemeinsam erinnern und feiern: Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen“ weisen seit dieser Woche am Hermsdorfer Kreuz und am Erfurter Kreuz auf das Jubiläumsjahr hin. Zusätzlich produzierte die TTG in Zusammenarbeit mit der Thüringer Staatskanzlei und der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen eine zweisprachige Broschüre (deutsch/englisch) und ein knapp 100-seitiges Veranstaltungsheft für das Jubiläumsjahr. Diese sind ab sofort kostenfrei in der Erlebniswelt „360 Grad Thüringen Digital Entdecken“ am Erfurter Willy-Brandt-Platz erhältlich.

Broschüre und Website zur jüdischen Geschichte in Thüringen

In der Broschüre „Jüdische Kultur und Geschichte in Thüringen“ stellt die Thüringer Tourismus GmbH die wichtigsten Orte, Feste und Veranstaltungen zur jüdischen Kultur in Thüringen vor. Neben Erfurt und dem Erfurter Schatz finden sich auch in weiteren Thüringer Orten zahlreiche Zeugnisse der jüdischen Geschichte. Wie zum Beispiel in dem kleinen Dorf Berkach im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Hier gibt es neben einer prachtvoll erhaltenen Synagoge auch noch eine Mikwe, die ehemalige jüdische Schule und einen jüdischen Friedhof. In Sondershausen können die Mikwe und der jüdische Friedhof im Rahmen von Führungen besichtigt werden, auch in Mühlhausen findet sich eine Synagoge. In vielen Thüringer Städten und Gemeinden sind historische Friedhöfe das einzige, was vom jüdischen Leben vor Ort geblieben ist; 34 gibt es noch im Freistaat. Auch Stätten der Erinnerungskultur werden in der Broschüre vorgestellt und spielen im Jubiläumsjahr eine große Rolle. Hier werden exemplarisch die Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie der Erinnerungsort Topf & Söhne genannt. Mehr Informationen gibt es unter kulturerbe.thueringen-entdecken.de

Veranstaltungshöhepunkte des Themenjahres 2020/2021

Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen freut sich, dass es 2021 noch mehr jüdische Kultur in Thüringen zu erleben gibt: „Dieses Jubiläum möchten wir gebührend feiern“, erklärte er heute in der kleinen Synagoge in Erfurt. „Mit drei Festivals zur jüdischen Kultur haben wir in Thüringen mehr zu bieten als die meisten Bundesländer – und während des Jubiläumsjahres werden diese Veranstaltungen in den Fokus rücken“. Zu den drei Festivals gehören die ACHAVA Festspiele Thüringen, die Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur und der Yiddish Summer Weimar. Sie werben in Thüringen jedes Jahr mit einem hochkarätigen Programm für Toleranz und Frieden. Höhepunkt des Themenjahres ist zudem das Entstehen und Vollenden einer neuen Torarolle für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen als Geschenk der beiden großen Kirchen – ein Zeichen der Verbundenheit und Zukunftshoffnung. Am 30. September 2021 wird die neue Torarolle in einem feierlichen Umzug durch Erfurt in die Synagoge am Max-Cars-Platz getragen und in den Toraschrein eingehoben.

Ausstellungen zu jüdischer Geschichte in ganz Thüringen

Zum umfangreichen Veranstaltungsprogramm wird es im Jahr 2021 auch hochkarätige Ausstellungen geben. Dazu gehören unter anderem eine Ausstellung auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt: „Jüdisches Leben in Schwarzburg-Rudolstadt“ ab September 2021 oder die persönliche Retrospektive „Évas Apfelsuppe oder Der Duft von Heimat“ im Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt ab Januar 2021. Erstmals öffentlich gezeigt werden in Jena Teile der über 1.000 Titel der jüdischen Schriften der Rabbinica-Sammlung der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB). Sie umfasst hebräische Schriften aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit wertvollen Illustrationen. „Tora, Talmud, Tefillot“ wird ab November 2020 zu sehen sein. Eine Sonderausstellung im Lutherhaus Eisenach widmet sich einem dunklen Kapitel in der Geschichte der evangelischen Kirche: Das Entjudungsinstitut, das vor 80 Jahren von 11 evangelischen Landeskirchen auf der Wartburg gegründet wurde, sollte Kirche und Glauben an die nationalsozialistische Rassenideologie anpassen. Mit über 56 Exponaten und Medienstationen können Besucher sich dem Thema nähern. Weitere Veranstaltungen und Ausstellungstermine gibt es in der neuen Broschüre „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen – Veranstaltungen 2020/2021“.  

Erfurt war und ist Mittelpunkt des Jüdischen Lebens in Thüringen

Das Herz des jüdischen Lebens in Thüringen war damals wie heute die Landeshauptstadt Erfurt: Die Stadt war im Mittelalter eine der größten Siedlungen des Heiligen Römischen Reiches, ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum an der Kreuzung wichtiger Handelswege. Ab dem späten 11. Jahrhundert gab es dort auch eine jüdische Gemeinde, die über eine Synagoge, einen Friedhof und über eine Mikwe verfügte. In Erfurt haben viele Zeugnisse jüdischen Lebens überdauert und rücken so die besondere Geschichte der jüdischen Gemeinden seit dem Mittelalter ins Rampenlicht. Dazu zählt z. B. die Alte Synagoge, die mittelalterliche Mikwe zu Erfurt sowie der alte und neue jüdische Friedhof. Die Alte Synagoge wurde 1094 errichtet und gehört somit zu den ältesten Synagogen Europas. Da sie in den vergangenen Jahrhunderten für viele verschiedene Zwecke genutzt wurde – zuerst als Lager, später als Gaststätte und Tanzsaal – hatte man sie im Dritten Reich nicht als solche erkannt und nicht zerstört, so dass sie sich heute in einem außerordentlich guten Zustand befindet. Heute beherbergt sie unter anderem den sogenannten Erfurter Schatz und die größte bekannte mittelalterliche Tora. In der Sonderausstellung „Mit diesem Ring … – Jüdische Hochzeit im Mittelalter“ vom 29. Oktober 2020 bis 14. März 2021 werden neben dem einzigartigen Hochzeitsring noch weitere Exponate, die man in den Kontext von Liebe, Hochzeit und Ehe stellen kann, gezeigt.  

Bewerbung um UNESCO-Welterbetitel

In der in großen Teilen intakten mittelalterlichen Altstadt von Erfurt haben sich einmalige bauliche Zeugnisse der bedeutenden jüdischen Gemeinde aus der Zeit zwischen dem ausgehenden 11. und der Mitte des 14. Jahrhunderts erhalten. Ergänzt und aufgewertet werden die Bauzeugnisse durch eine weltweit einzigartige Fülle von Exponaten die gemeinsam Aufschluss über das jüdische Gemeinde- und Alltagsleben sowie die Koexistenz von Juden und Christen in mittelalterlichen Städten bieten – in einer Komplexität, die mit keiner bekannten Stätte vergleichbar ist. Aus diesem Grund bewirbt sich die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt für ihr jüdisches Erbe des Mittelalters um den Titel "UNESCO-Welterbe".

Mehr Informationen und die Broschüre „Jüdische Kultur und Geschichte in Thüringen“ sowie das Programmheft „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“ gibt’s bei der Thüringer Tourismus GmbH unter der Rufnummer +49 (0) 361-37420, per Email an service@thueringen-entdecken.de und unter www.thueringen-entdecken.de.

 

Ihr Ansprechpartner

Mandy Neumann

Mandy Neumann
Presse-/ Öffentlichkeitsarbeit

Thüringer Tourismus GmbH
Postfach 900407
99084 Erfurt

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