Ohrwürmer. Sprache hören

Welt übersetzen. Sprache lesen, hören, sehen in Thüringen

Die Sprache der Musik – die hört man in Thüringen nicht nur flüsternd in den Kirchen oder volltönend an den Orgeln á la Bach. Die Musik kommt auch wohltuend virtuos am Klavier daher wie von Franz Liszt oder beeindruckend modern (interpretiert) bei Festivals. Wer die Musik auf die bloße Vermittlung einer Botschaft reduziert, liegt falsch. Dort, wo Worte enden, dort, wo die Religion an die Grenzen der Moderne stößt, gibt die Musik eine Antwort.

Bach und Luther

Luthers Übersetzungsleistung war vor 500 Jahren ein unschätzbarer Verdienst für die Christen in Deutschland. Erstmals war es möglich, das Neue Testament selbst zu lesen und damit zu verstehen. Die Übersetzung war eine einzigartige Vermittlungsleistung, die Johann Sebastian Bach später in anderer Form übernahm. Er machte es sich in seinen späteren Vertonungen zur Aufgabe, die Wirkung des Textes künstlerisch zu verstärken. 

Fast die Hälfte seiner Lebenszeit, 32 Jahre, verbrachte Johann Sebastian in verschiedenen kleinen und großen Thüringer Städten. Heute sind es diese sechs originären Lebens- und Wirkungsorte Bachs, die gemeinhin als „Bachland Thüringen“ bezeichnet werden. Denn überall in dieser Region hat die große Musikerfamilie Bach Spuren hinterlassen, die bis heute Inspirationsquelle für ein lebendiges Musikleben sind.

Die Fußspuren Johann Sebastian Bachs und Martin Luthers kreuzen sich nirgends augenfälliger als in Eisenach. Hier ging der Reformator zur Schule und übersetzte später das Neue Testament ins Deutsche, hier wurde Bach geboren und besuchte die gleiche Schule wie einst Luther. Beide erhielten hier den ersten Musikunterricht und sangen im Chor der Georgenkirche. 35 Kirchenlieder schuf Luther später, häufig stammen auch die Melodien von ihm. Bach wiederum, der mit Luthers Liedern seit seiner Kindheit vertraut war, vertonte viele von ihnen etwa in seinen Orgelchorälen, seinen Passionen und Oratorien. In Bachs „Lutherkantaten“ verwandeln sich Luthers Gemeindelieder in Eingangs- und Schlusschöre mit prächtiger instrumentaler Besetzung, ja einige dieser Kantaten bestehen sogar nur aus Luther-Texten.

Bachhaus in Eisenach 

Das Bachhaus in Eisenach, in dem Johann Sebastian Bach am 21. März 1685 das Licht der Welt erblickte, beherbergt heute die weltweit größte Ausstellung zu Bachs Leben und Musik. Im Bachhaus in Eisenach kann man versuchen, dem Menschen hinter dem Phänomen auf die Spur zu kommen: durch handschriftliche Notizen vor allem aber durch Musik. In einem begehbaren Musikstück mit 180-Grad-Leinwand oder in so genannten Bubble-Chairs mit Kopfhörern kann man ihn hören. Auch wie Bach live geklungen haben mag, erlebt man – bei stündlichen Konzerten auf historischen Instrumenten. „Bach hat die besten Kompositionstechniken seiner Zeit genommen und sich zu einem Meister darin entwickelt“, sagt Jörg Hansen, der Direktor des Bachhauses. 
Weitere Informationen zu Bach in Thüringen auf www.bach-thueringen.de .   

Thüringer Bachwochen vom 8. April bis 1. Mai 2022 

Christoph Drescher, der Geschäftsführer der Thüringer Bachwochen, sagt zu Bach: „Er wird mir nie zu viel. Für mich ist die Musik immer wieder faszinierend und überraschend.“. Seit 1992 sind die Thüringer Bachwochen ein Garant für hochwertige Konzerte der Alten Musik wie auch für genreüberschreitende Veranstaltungen, die eindrucksvoll zeigen, wie vielschichtig das Werk von Johann Sebastian Bach von Künstlerinnen und Künstlern interpretiert und aufgeführt wird – die meisten an Originalschauplätzen. 2022 feiern die Thüringer Bachwochen nun ihr 30-jähriges Jubiläum und setzen nach zwei Jahren Ausnahmesituation wieder auf eine reguläre Saison mit 47 Konzerten in zwölf Thüringer Städten und Gemeinden. In einem programmatischen Schwerpunkt widmen sich die Thüringer Bachwochen einem weiteren Jubiläum: Vor 500 Jahren übersetzte Martin Luther das Neue Testament auf der Wartburg. Unter dem Titel „Die Welt übersetzen“ würdigt das Festival Luthers Vermittlungsleistung, die sich auch in den späteren Vertonungen Bachs wiederfindet, indem sie auf verschiedene Weise Bachs Werk in die Gegenwart überträgt.
www.thueringer-bachwochen.de  

Ein besonderer Höhepunkt während der Bachwochen: Virtual-Realtity-Projekt Himmelsburg

Die Thüringer Tourismus GmbH und die Thüringer Bachwochen e.V. präsentieren in einer ambitionierten Zusammenarbeit innerhalb des Jubiläumsjahres 2022 „Welt übersetzen“ die virtuelle Auferstehung der Weimarer Schlosskapelle „Himmelsburg“ – dem Sehnsuchtsort für Bach-Fans weltweit.  Zwischen 1708 und 1717 war die Stadt und die historische Kapelle im dortigen Stadtschloss – die sogenannte Himmelsburg – Bachs prägende Hauptwirkungsstätte. Hier komponierte er als Hoforganist den Großteil seiner bahnbrechenden Orgelwerke; hier entstanden in Zusammenarbeit mit kongenialen Textdichtern wie Salomo Franck jene knapp 25 Weimarer Kantaten, die für Bach den Durchbruch zum Großmeister der lutherischen Kirchenmusik bedeuteten. Tragischerweise wurde die Himmelsburg im Jahr 1774 durch einen Brand zerstört. Diesen mythischen Bach-Ort lassen die Thüringer Tourismus GmbH und der Thüringer Bachwochen e.V. in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erfurt, der Technischen Universität Berlin und dem Musik-Ensemble Cantus Thuringia & Capella nun als Virtual-Reality-Erlebnis wieder auferstehen. Die Himmelsburg 2.0 beinhaltet hochmoderne Virtual-Reality-Technik in einem Überseecontainer, in dem die abgebrannte Weimarer Kapelle Himmelsburg, welche Bach besonders liebte, zum Leben erweckt wird. Voll erlebbar mit Augen und Ohren, wird die verloren geglaubte Himmelsburg im Jahr 2022 so wieder zum Leben erweckt.